WIe fühlt es sich an, Teil des Bildungskollaps zu sein?

Veröffentlicht am 22. Juni 2024 um 20:35

Einleitung

Ich lese gerade das Buch "der Kita-Kollaps". Soweit so gut. Ich lese ja viel und die Bücher, die ich lese, beschäftigen mich auch oft. Aber diesmal ist es anders. Noch kann ich nicht genau schreiben, was es ist. Vielleicht dient dieser Artikel dazu, sich dessen bewusst zu werden. Vielleicht muss ich auch einfach mal, all diese Gedanken und Gefühle sortieren und ordnen. Mal sehen. Bei mir ist es ja oft so, dass ich beim Schreiben einiges sortieren kann. Ich befürchte, dass ich all dieses nur nicht ad acta legen kann mit dem Schreiben, denn es ist ja nichts, was in der Vergangenheit liegt, sondern mich jetzt in der Gegenwart betrifft. 

Gedanken beim Lesen:

Politik

Zwischen OMG- wie kann die Politik nur so versagen und absolut nicht nachvollziehbar war so ziemlich alles an Gedanken dabei. Auch kein Wunder, dass die kleinen zum Teil gefährlichen Parteien gewählt werden, wenn es so insgesamt um die Bildung und Kita in Deutschland bestellt sein soll.

Auch die folgenden Gedanken  kamen beim Lesen auf: Fehlen die pädagogischen Fachkräfte wirklich oder sind viele der neuen Kräfte vielleicht vom Schlag der oft beschriebenen Generation Gen Z? Durchschauen die gut ausgebildeten pädaogischen Fachkräfte ( auch von Gen Z)  vielleicht die Gesamtsitutation und verwalten nur noch ihre Gesundheit?

Aber ich will mich da als Mama von einem 2 und 4 jährigen da gar nicht rausnehmen.

Gesundheit verwalten- Kinder und eigene Krankheiten

Seine Gesundheit verwalten ist schließlich ein wichtiger Punkt der Selbstfürsorge. Das wollen wir ja auch den Kindern beibringen. Ich glaube gerade für Kinder ist es auch nicht das Richtige, nur zu Hause zu bleiben, wenn es Fieber hat. Das ist es ja auch, was wir als Erzieher von den Eltern der Kita- Kinder, die wir betreuen, auch fordern: Schickt eure Kinder nicht mit so einer Schniefnase und Husten in die Kita! -Wir als Fachkräfte stecken uns dann wieder an. Aber kann man, wenn man arbeitnehmend ist ( egal in welchem Bereich) sein Kind bei jedem Schnupfen und leichten Erkältungen zu Hause lassen? Es ist ja leider nicht so, dass es dann nach 2, 3 Tagen wieder komplett Husten- und Schnupfen frei ist. Leider! Wenn das so einfach wäre, hätten wir das Problem der Kindkrank-Tage ja nicht.  Klar, als Mama ( und Papa ) hat man für diese Fälle in der Regel Kind- Krank Tage. Sie dürfen halt nicht überhand nehmen. Genauso wie sich Mama und Papa ja leider auch anstecken. Ich würde gerne behaupten, dass ich Superwoman wäre und mir jede Erkältung meiner Kinder nichts ausmacht, ich sie drei Tage rausnehme, wenn sie Fieber haben, dann wieder schicke und vollkommen gesund wieder zur Arbeit gehe. Nein, tatsächlich ist es oft so, dass ich mich anstecke und dann selber mich entweder zur Arbeit schleppe oder eben krank zu Hause bin. Ersteres ist für mich blöd, weil es das Arbeiten schon erschwert, wenn man nicht fit ist. Gerade bei viel Reden und Zuhören, Konflikte klären, Morgenkreis und Vorschule-Themen anzugehen und zu vermitteln ist es erkältet schon ziemlich erschwertes Arbeiten. Der Gedanke,  welche Kollegen stecke ich nun wieder an, ist natürlich dann auch immer dabei. 

Letzteres ist für den Arbeitgeber und das Team blöd, ich weiß das ziemlich genau. Auch wenn man ein Stück weit für seine Arbeit lebt und immer mal wieder über eigene Grenzen geht, ist das glaube ich in vielen Fällen die bessere Variante. Zumal ich auch noch mein eigenes Leben habe und nachmittags und abends, wenn mein Mann Spätdienst hat für die Kids da sein muss. Und das in optimaler  Weise. Oft ist es allerdings gerade, wenn ich krank bin,  nur in ausreichende Weise Da atme ich dann schon oft ziemlich heftig durch bzw. setze mich oft nur erledigt aufs Sofa, wenn die Kids im Bett liegen, endlich schlafen und der Alltagshaushalt erledigt ist. 🤪🫣😵‍💫🥴

 

Ganzer Blumenstrauß an Gründen für die Bildungskrise

Ilse Wehrmann gibt einen ganzen Blumenstrauß an Gründen, der einen ziemlich nachdenklich macht. Sie gibt den ganzen Blumenstrauß, das finde ich einerseits toll, um sich mal in die ganze Problematik hineinzudenken und gleichzeitig macht es mich eben halt sehr betroffen und schärft in mir immer mehr folgenden Gedanken: Mein Arbeitgeber kann nichts dafür. Es ist das System. Nur jeder einzelne kann versuchen, damit möglichst gut umzugehen und wir können die richtigen Parteien wählen, die Familie und Bildung, auch frühkindliche Bildung auf dem Schirm hat. Gleichzeitig sollten wir uns aber auch nicht hinreißen, irgendwelche Parteien zu wählen, die Demokratie mit Füßen treten, rechte Tendenzen oder links- bzw. rechtsextrem sind. Wieder mal ziemlich viele Ansprüche. Wen also wählen, wenn wieder eine Wahl ansteht? 

Ein Gedanke bei dem Buch ist natürlich auch immer gewesen: Was kann ich tun, damit sich das alles wieder ändert? Alleine kann ich nicht das Große Ganze ändern, denn wie ich schon weiter oben schrieb: Ich bin nicht Superwoman. Aber was ist mein Anteil, den ich ändern kann? 

Soweit meine Gedanken bei dem Riesen- Dilemma, in dem man ich offensichtlich als Mama und Erzieherin befinde.

Gefühle bei diesem Riesen-Dilemma:

Resignation- Resignation ist sehr viel dabei. Wie könnte es auch anders sein, wenn ich zu den Gedanken diese Gedanken formuliert habe? Klar ist das ein Anteil bei diesem System- Dilemma. Wie könnte es auch sein, bei den Aspekten ,die ich im oberen Abschnitt formuliert habe? Resignation überfällt mich halt ganz oft, dabei bin ich eigentlich ein optimistischer Mensch. Aber angesichts dieses Systems fällt es mir oft schwer und es ist ein richtiger Angang, optimistisch zu bleiben.

Kalte Wut auf die Politiker, die uns eigentlich erst in diese Situationen gebracht haben. Allerdings ist das nicht besonders hilfreich, denn was soll Wut schon bringen? Wahrscheinlich steckt hinter allem eine gute Absicht und dass vieles versprochen wurde wie z.B. der Krippenplatz ab einem Jahr und dann nicht gehalten werden konnte, klar, dafür können sie ja nichts, oder? Genauso wie der seit Jahrzehnten stattfindende Appell seitens vieler Bürger, alles Bildungspolitische in die Hände des Bundes zu legen und nichts des Landes zu belassen. Was ist eigentlich so schwer daran, sich bei Bundesländern, wo es gut läuft mit den Parametern für eine gute Bildung und Betreuung das Beste zu nehmen und zum gesamtpolitischen Standard zu erklären? Ob der dann kommen würde, ich denke nicht, denn ach ja, das war ja was: Der angebliche Fachkräftemangel steht dem wohl im Wege. 

Trauer: Ja, Trauer um die Personen, die die Verlierer dieses Systems sind. Dies sind nämlich die Kinder und die Familien, die nicht das große Geld verdienen und ihre Kinder mit einem Jahr in die Kita schicken MÜSSEN und auf gute und stabile Betreuungs- Verhältnisse in den Kitas angewiesen sind. Es gibt in mir eine große Trauer um die Kinder, die eine viel bessere und qualitätsvollere Betreuung verdient hätte und sie aufgrund des Systems nicht bekommen können, weil zu wenig pädagogische Fachkräfte in der Kita arbeiten und/ oder weil diese schon ( und was heißt hier schon ) nach 30 Jahren  aufgegeben haben und nur noch ihre Gesundheit verwalten. 

Ratlosigkeit

Bei mir ist auch viel Ratlosigkeit ( was tun? und was kann ich zeitlich und fachlich tun?) vorhanden: Diesen Punkt habe ich schon als Gedanke angedeutet und als Gefühl möchte ich ihn nochmal hervorheben. Es ist ein schreckliches Gefühl, sich an dieser Stelle so ratlos zu fühlen. 

Hilflosigkeit

Die Ratlosigkeit ist mit der  Hilflosigkeit gepaart,  ( Ich kann nichts tun), was in Kombination richtig doof ist, denn ich bin eigentlich ein lösungsorientierter Mensch. 

Schlechtes Gewissen

Dann kommt noch ein schlechtes Gewissen den eigenen und den anvertrauten Kindern in der Kita gegenüber dazu. Denn mit besseren Bedingungen wäre durchaus mehr drin, so ist es oft ein Verwalten des Arbeitstags und ein Betreuen der Kinder, was oft am Ende des Tages mit Fokus und nicht Abrücken von bestimmten Dingen, die mit den Kindern gemacht werden, noch ein Tag wird, der ganz okay wird. 

Ärger/ Frustration

Am Ende der Woche nehme ich oft eine Menge an Ärger und Frustration mit nach Hause. Das geht von "in gewissen Situationen völlig falsch pädagogisch reagiert" über das wäre nicht passiert, wenn ich eine andere Person zu der Zeit in der Gruppe gehabt hätte" bis zum "das ist mal wieder liegengeblieben, ist halt so." Das ist halt so ärgert mich oft sehr, vor allem, wenn es zum 10.Mal am Ende der Woche liegenbleibt und ich wegen den Konfliktsituationen, die täglich zuhauf anfallen, in einer Woche keine Zeit finde. Aber was soll ich machen, soll ich mir Arbeit mit nach Hause nehmen? Irgendwann werde ich das machen, aber das wird mich dann auch wieder ärgern. Das weiß ich jetzt schon. 

Motivation/ Freude/ Spaß

Dazwischen findet sich auch immer wieder bei mir bei mir gerade am Anfang der Woche viel Motivation, weil ich mich auf das Thema und auf die Kinder freue. Das Thema zu gestalten ist mit den Vorschulkindern oft eine reine Freude. Ich bin ziemlich überrascht, was sie oft schon wissen. Viel kann und sollte praktisch gemacht werden. 

Die Kinder sind alle so einzigartig, es ist immer wieder so interessant mit ihnen arbeiten zu dürfen. Ja, es bereitet Freude und ich habe mir die äußeren Bedingungen, die ich für mich aussuchen konnte, so passend gemacht. Deshalb kann ich zwischendurch das Arbeiten in dieser Kita auch sehr genießen.

Die Kinder haben auch so einen tollen Humor. Das macht wieder Spaß und dadurch kann man es sich auch wieder schön denken. 

Fazit:

Ich möchte mir Gedanken machen, wo ich etwas tun kann und erste Schritte der Umsetzung starten. Für mich hatte ich die 4 Tage Woche auserkoren, um an dem freien Vormittag entspannt andere Sachen zu machen, die mehr für mich sind. Ich darf und kann nicht pausenlos in diesem System gedanklich und gefühlsmäßig festhängen. Es macht mich sonst depressiv und 2 Tage Erholung sind mir einfach mit 2 aktiven Kids zu wenig. Mit meinem Chef hatte ich darüber schon gesprochen. 

Dann werde ich schauen, ob ich mit meinem Social Media- Kanälen irgendwie auf die Situation aufmerksam machen kann und was das bewirken kann. Sozusagen Brainstorming mit mir selbst. 

Denn eine entspannte Bildung  in diesem Land ist mir wichtig und das werde ich auch mehr zeigen. 

Eine entspannte Bildung fängt in der Kita an. Wir Erzieher sind nicht nur Betreuungspersonen, sondern auch Bildungsvermittler. Daran sollten wir uns festhalten und nicht an den Bedingungen, wegen denen es vermeintlich nicht mehr geht. 

Was tust du bei diesem Dilemma? 

Bist du Vorschulerzieher(in) und möchtest mehr wissen, wie du Vorschüler optimal auf die Schule vorbereiten kannst?

Dann komm am 31.8./1. 9. in meine Online-Fortbildung von der Kindergarten-Akademie:

https://www.kindergartenakademie.de/seminar/LIVE+ONLINE+SEMINAR+Lernst%25C3%25B6rungen+im+Kindergarten+erkennen+-+Fr%25C3%25BChf%25C3%25B6rderung+von+Dyskalkulie+und+LRS

 

 

Bist du Vorschulelternteil und möchtest wissen, wie du dein Kind am besten in dieser Zeit alltagsgerecht und entspannt fördern kannst? Dann klicke hier und komme in meine kostenlose Facebook- Gruppe. 

https://www.facebook.com/share/yZvhiWrT7jqtYQ6U/

 

Dort bekommst du kostenlos Input zu dem Thema von mir und Austausch zu Bildungsthemen speziell in der Vorschule mit anderen Vorschuleltern und Erziehern. Es warten im nächsten Halbjahr ein paar brandneue Challenges auf dich und dein Kind. Außerdem wird doch auch mein Adventskalender exklusiv angeboten. Jeden Tag ein kleiner Tipp und am Wochenende ein bißchen Abwechslung. Da er von mir noch erarbeitet wird, kann ich noch nichts Genaues sagen, aber es wird gut.

 


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